Ernährung vor einem Marathon: Was man die Woche davor und am Wettkampftag essen sollte
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Ernährung vor einem Marathon: Was man die Woche davor und am Wettkampftag essen sollte

RunRun 2026-04-10

Vollständiger Leitfaden zur Optimierung deiner Ernährung vor einem Marathon. Carb-Loading, Abendessen vor dem Rennen, Frühstück am Wettkampftag und Fehler, die zu vermeiden sind.

Ernährung vor einem Marathon: der vollständige Leitfaden für optimale Leistung am Wettkampftag

Du hast die Trainingswochen absolviert, Kilometer gesammelt, an deiner Grundlagenausdauer gearbeitet und dein Zieltempo verfeinert. Es gibt jetzt noch einen Faktor, der am Wettkampftag alles verändern kann: deine Ernährung.

Eine schlechte Ernährungsstrategie vor einem Marathon bedeutet, mit unvollständigen Glykogenspeichern zu starten, während des Laufs unter Magen-Darm-Problemen zu leiden oder die gefürchtete "Mauer bei Kilometer 30" deutlich früher als erwartet zu treffen. Umgekehrt ermöglicht eine gut durchdachte Ernährungsstrategie, deine Energiespeicher zu maximieren und an der Startlinie in bestmöglicher Verfassung zu sein.


Die Energiebedürfnisse des Marathonläufers verstehen

Glykogen: dein Haupttreibstoff

Beim Marathon nutzt dein Körper hauptsächlich zwei Energiequellen: Fett und Glykogen (die Speicherform von Glukose in Muskeln und Leber). Je höher die Intensität, desto mehr Glykogen wird verbraucht.

Das Problem: die Glykogenspeicher sind begrenzt. Ein trainierter Läufer kann etwa 400-600 g Glykogen in den Muskeln und 80-100 g in der Leber speichern, was etwa 2.000-2.500 kcal verfügbarer Energie entspricht. Ein Marathon verbraucht jedoch 2.500-3.500 kcal.

Wenn du mit unvollständigen Speichern startest, riskierst du, sie vor der Ziellinie zu erschöpfen. Genau das passiert beim berühmten "Einbruch" — das brutale Gefühl völliger Erschöpfung, das typischerweise zwischen Kilometer 28 und 35 auftritt.

Die Rolle von Magnesium und Elektrolyten

Über Kohlenhydrate hinaus spielen andere Nährstoffe eine entscheidende Rolle. Magnesium ist an der ATP-Produktion in den Mitochondrien und an der Muskelkontraktion beteiligt. Ein Defizit kann sich in Krämpfen und vorzeitiger Ermüdung äußern.


Die Woche vor dem Marathon: Gesamtstrategie

T-7 bis T-4: normale, ausgewogene Ernährung

Während der ersten Tage der letzten Woche sollte deine Ernährung stabil und ausgewogen bleiben. Das Ziel ist noch nicht das Überladen mit Kohlenhydraten, sondern das Aufrechterhalten eines guten Ernährungsgleichgewichts.

Grundprinzipien:

  • 50-55% Kohlenhydrate im Gesamtkaloriengehalt
  • Ausreichend Protein (1,2-1,6 g/kg Körpergewicht) zum Erhalt der Muskelmasse
  • Hochwertige Fette (Olivenöl, Avocado, Nüsse): 25-30% der Kalorien
  • Regelmäßige Flüssigkeitszufuhr: mindestens 1,5-2 Liter Wasser täglich
  • Obst und Gemüse für Vitamine, Mineralien und Antioxidantien

Goldene Regel Nr. 1: teste in dieser Woche NICHTS Neues.

Beispiel-Tagesplan (T-7 bis T-4)

MahlzeitInhalt
FrühstückHaferflocken + Banane + Honig + einige Mandeln
MittagessenBasmatireis + gegrilltes Hähnchen + gekochtes Gemüse + Olivenöl
SnackApfelmus + 2-3 Butterkekse
AbendessenVollkornnudeln + Lachs + gedünstete Zucchini + Brot

T-3 bis T-1: das Carb-Loading (Glykogenladung)

Was ist Carb-Loading?

Das Carb-Loading (oder Kohlenhydrat-Ladung) ist eine Strategie, bei der der Anteil der Kohlenhydrate in der Ernährung in den 2-3 Tagen vor dem Rennen deutlich erhöht wird, um die Muskel- und Leberglykogenspeicher zu maximieren.

Forschungen zeigen, dass ein gut durchgeführtes Carb-Loading die Glykogenspeicher um 25-40% steigern kann.

So führt man es richtig durch

Ziel: 8-12 g Kohlenhydrate pro kg Körpergewicht pro Tag in den letzten 2-3 Tagen.

Für einen 70 kg schweren Läufer entspricht das 560-840 g Kohlenhydrate pro Tag.

Bevorzugte Kohlenhydratquellen:

  • Nudeln (vorzugsweise weiß, um Ballaststoffe zu reduzieren): ~75 g KH pro 100 g Trockennudeln
  • Weißer Reis: ~80 g KH pro 100 g Trockenreis
  • Weißbrot oder Toastbrot: ~50 g KH pro 100 g
  • Kartoffeln (gekocht, ohne Schale): ~20 g KH pro 100 g
  • Bananen: ~23 g KH pro Banane
  • Apfelmus (ohne Zuckerzusatz)
  • Honig, Marmelade, Ahornsirup

Praktische Tipps für das Carb-Loading

  1. Reduziere Ballaststoffe: Wechsle zu "weißen" Versionen der Stärkeprodukte
  2. Reduziere Fett: Verringere fettige Fleischsorten, Käse, Soßen
  3. Verteile die Mahlzeiten: 5-6 Mahlzeiten anstatt 3 riesiger Portionen
  4. Trinke ausreichend: die Glykogenspeicherung erfordert Wasser (ca. 3 g Wasser pro 1 g gespeichertem Glykogen)
  5. Vermeide "Risiko-Lebensmittel": keine scharfen Gerichte, kein rohes Gemüse in großen Mengen, keine Hülsenfrüchte, kein Kohl

Beispiel-Tagesplan (T-2 oder T-1)

MahlzeitInhaltKH (ca.)
FrühstückWeißbrot + Marmelade + Honig + Banane + Apfelsaft~120 g
Snack 10hMüsliriegel + Apfelmus~50 g
MittagessenGroße Portion weiße Nudeln + einfache Tomatensoße + Brot~150 g
Snack 16h2 Bananen + Kekse + KH-Getränk~80 g
AbendessenWeißer Reis + mageres Hähnchen + gekochte Karotten + Brot + Apfelmus~140 g
Abend-SnackNaturjoghurt + Honig + Kekse~50 g
Gesamt~590 g

Das letzte Abendessen: der Abend vor dem Marathon

Das Abendessen vor dem Marathon muss:

  • Kohlenhydratreich sein: Nudeln, Reis oder Kartoffeln als Grundlage
  • Ballaststoffarm sein: weiße Versionen, gekochtes Gemüse (kein rohes Gemüse)
  • Fettarm sein: keine cremigen Soßen, kein übermäßiger Käse
  • Leicht verdaulich sein: keine neuen Lebensmittel, keine scharfen Gerichte
  • Früh genug eingenommen werden: idealerweise zwischen 18:30 und 19:30 Uhr

Der Klassiker: eine schöne Portion weiße Nudeln mit selbstgemachter Tomatensoße, ein Stück gegrilltes Hähnchen oder Truthahn, etwas Weißbrot und Apfelmus als Nachtisch.

Häufige Fehler am Vorabend:

  • ❌ In ein unbekanntes Restaurant gehen und ein exotisches Gericht essen
  • ❌ So viel Nudeln essen, bis man sich unwohl fühlt
  • ❌ Alkohol trinken
  • ❌ Eine Pizza essen (zu viel Fett — Käse, Wurst)
  • ❌ Das Abendessen aus Stress oder Nervosität auslassen

Das Frühstück am Wettkampftag

Das Frühstück vor dem Marathon ist eine strategische Mahlzeit. Es muss die Leberglykogenspeicher wieder auffüllen, ohne Verdauungsprobleme während des Rennens zu verursachen.

Die goldenen Regeln

  1. Mindestens 3 Stunden vor dem Start: die Zeit, die der Magen braucht, um sich zu entleeren
  2. Kohlenhydrate mit mittlerem bis hohem glykämischen Index: Weißbrot, Marmelade, Honig, reife Banane, Kekse
  3. Wenig Protein: etwas Naturjoghurt oder eine Scheibe Schinken (optional)
  4. Wenige Ballaststoffe und wenig Fett: kein Vollkornmüsli, nicht zu viel Butter
  5. Gut hydratisiert: 400-500 ml Wasser oder leichter Tee in den Stunden vor dem Rennen

Beispiel-Frühstück (3h vor dem Start)

LebensmittelMengeKohlenhydrate
Weißbrot oder Toastbrot3-4 Scheiben~50 g
Marmelade oder Honig30-40 g~25 g
Sehr reife Banane1~25 g
Apfelmus1 Beutel (90 g)~15 g
Sport-Kuchen1 Portion~40 g
Wasser oder leichter Tee400 ml
Gesamt Kohlenhydrate~155 g

Die letzten Stunden vor dem Start

H-2 bis H-1: die Wartephase

Wenn dein Frühstück ausreichend und zum richtigen Zeitpunkt eingenommen war, musst du normalerweise nicht mehr essen:

  • In kleinen Schlucken Wasser trinken (nicht mehr als 500 ml insgesamt)
  • Übermäßigen Kaffee meiden: eine gewohnte Tasse ist akzeptabel

30-15 Minuten vor dem Start

Letzte schnelle Kohlenhydratzufuhr:

  • Ein Energiegel (20-25 g KH) + einige Schlucke Wasser
  • Oder ein Energieriegel/Fruchtmus zur einfachen Verdauung

Was während des Marathons essen?

Die Grundlagen der Rennernährung

  • Ziel: 30-60 g Kohlenhydrate pro Stunde Laufen (bis zu 90 g/h für gut angepasste Läufer)
  • Beginn der Ernährung: ab der 30. Minute, nicht früher
  • Quellen: Gele, Riegel, Fruchtmus, Sportgetränk, Bananen an Verpflegungsstationen
  • Flüssigkeitszufuhr: 400-800 ml pro Stunde je nach Hitze, in regelmäßigen kleinen Schlucken

Typischer Verpflegungsplan

KilometerAktion
km 5-10Erste Schlucke Wasser oder Sportgetränk
km 10-12Erstes Gel oder Fruchtmus
km 18-20Zweites Gel + Wasser
km 25-28Drittes Gel + Wasser (das wichtigste!)
km 32-35Letztes Gel falls nötig

Unbedingt zu vermeidende Fehler

1. In der Rennen-Woche neue Lebensmittel testen

Die Regel Nummer eins. Jedes in der Vorbereitung nicht getestete Lebensmittel ist ein Risiko für Magen-Darm-Beschwerden.

2. Zu aggressives Carb-Loading

Von normaler Ernährung von heute auf morgen auf Nudel-Berge umzustellen führt zu Blähungen und schlechten Nächten. Das Überladen muss schrittweise über 2-3 Tage erfolgen.

3. Flüssigkeitszufuhr vernachlässigen

Die Glykogenspeicherung erfordert Wasser. Ohne ausreichend Trinken wird Glykogen nicht korrekt gespeichert.

4. Das Frühstück auslassen

Der Stress am Morgen des Rennens nimmt oft den Appetit. Das Frühstück auszulassen bedeutet jedoch, mit teilweise leerer Leber zu starten. Iss mindestens das Äquivalent von 100 g Kohlenhydraten.

5. Zu viel Alkohol am Abend vorher

Alkohol wirkt harntreibend, dehydriert, stört den Schlaf und beeinträchtigt den Glykogenstoffwechsel.


FAQ: häufige Fragen

Muss man wirklich Nudeln vor einem Marathon essen?

Nudeln sind nicht zwingend, aber praktisch: kohlenhydratreich und leicht verdaulich. Reis, Kartoffeln oder Brot sind genauso gültige Alternativen. Wichtig ist die Menge an Kohlenhydraten, nicht das spezifische Lebensmittel.

Ich bin glutenintolerant, was soll ich tun?

Reis ist dein bester Freund. Du kannst auch Reisnudeln, Kartoffeln, Quinoa (wenn gut verträglich), Süßkartoffeln und Bananen nutzen.

Wie viel werde ich durch das Carb-Loading zunehmen?

Es ist normal, 1-2,5 kg während der Kohlenhydrat-Ladephase zuzunehmen. Dieses Gewicht ist hauptsächlich Wasser, das an Glykogen gebunden ist (ca. 3 g Wasser pro 1 g Glykogen). Es ist kein Fett — es ist Treibstoff für das Rennen.

Ist Kaffee am Morgen des Marathons empfehlenswert?

Koffein ist ein anerkanntes Ergogen, das die Ausdauerleistung um 2-4% verbessern kann. Wenn du normalerweise Kaffee trinkst, ist eine Tasse am Wettkampfmorgen absolut akzeptabel.


Zusammenfassung: dein Tages-Ernährungsplan

TagPrioritätKH (g/kg/Tag)Schlüsselpunkte
T-7 bis T-4Ausgewogene Ernährung5-7 g/kgGleichgewicht halten, gut hydratisieren
T-3Beginn Carb-Loading8-10 g/kgKH erhöhen, Ballaststoffe und Fett reduzieren
T-2Intensives Carb-Loading10-12 g/kgMahlzeiten aufteilen, weiße Nudeln/Reis
T-1Carb-Loading + Verdauungsruhe8-10 g/kgFrüh zu Abend essen, keine neuen Lebensmittel
Wettkampftag morgensStrategisches Frühstück2-3 g/kg (Mahlzeit)3h vor Start, verdauliche KH
Wettkampftag StartLetztes Gel20-25 g (Gel)15-30 min vorher, im Training getestet

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Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keinen personalisierten medizinischen oder ernährungswissenschaftlichen Rat. Der individuelle Bedarf variiert; die angegebenen Zahlen sind allgemeine Richtwerte.

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